GSV-Bericht: Erste-Hilfe-Kurs 2020

Am Samstag, den 26. September 2020, fand zum ersten Mal ein Erste-Hilfe-Kurs für Gehörlose statt. Andre Danke, 2. Vorsitzender des Gehörlosen Sportverein e.V., hatte diesen Kurs nach Oldenburg gelotst. Der Erste-Hilfe-Kurs wurde von Stefanie Schmidt geleitet; sie ist gehörlos und ausgebildete Betriebssanitäterin und Dozentin bei der med1plus. S. Schmidt wurde begleitet von ihrem Partner Pascal Kleimeyer, der auch selbst Betriebssanitäter ist.

Insgesamt waren 14 Teilnehmer anwesend, fast alle sind Mitglied im Gehörlosen Sportverein. Für Andre Danke, 2.Vorsitzender, war es wichtig, dass einige Mitglieder des Vereins den Erste-Hilfe-Kurs belegen, um im Sport und in der Freizeit Erste Hilfe leisten zu können. Es bestand jedoch keine Pflicht. 

Andre Danke: „Ich bin froh, dass der Erste-Hilfe-Kurs trotz Corona stattfinden konnte und sich viele für den Kurs angemeldet haben. Der Sportverein möchte die Mitglieder fördern und hat die anfallenden Kosten übernommen. Wer schlecht hört, kann mit einem Verletzten kaum kommunizieren. Hilfe leisten ist dennoch möglich, wie ein spezieller Kurs am Wochenende zeigte. Er war eine Premiere in Oldenburg. Gehörlose hatten sich bisweilen meist einem normalen Erste-Hilfe-Kurs anschließen müssen, bei dem ein Dolmetscher ihnen die Informationen übersetzte und vermittelte. Dabei blieben wichtige Informationen oft auf der Strecke. Man kann die Sachen nicht 1:1 übersetzen. Ich nahm bereits an beiden Kursarten (für Hörende und Gehörlose) teil, kann die jeweiligen Kurse miteinander vergleichen. Hier bekomme ich 100 Prozent mit, kann Fragen stellen und bekomme in Gebärdensprache übersetzte Antworten.“

Teilnehmerin Melissa T.: Der Kurs hat mir super gefallen. Viele gute und anschauliche Beispiele, leicht zu verstehen. Und schön viel Inhalt. Einmal einen Einblick in alle Körperbereiche. Sonst habe ich immer nur gelernt, wie man mit bewusstlosen Verletzten umgeht (stabile Seitenlage und Herzdruckmassage). Ich fand es super auch alle anderen Krankheiten und Verletzungen anzuschauen. Hat sehr viel Spaß gemacht.“

Sandra G.: „Die Dozenten haben es gut vermittelt. Einmal über die gemeinsame Sprache, direkt und klar und nicht über Dolmetscher als Dritte. Deaf to Deaf- So kommen die Infos besser an. Zudem – beide wissen, wie wichtig eine Visualisierung ist. Sie haben den Unterricht anschaulich klar und angepasst auf die Zielgruppe hörgeschädigte Menschen gestaltet. Das war sehr gut. Ich habe schon in meinen Leben viele Erste Hilfe-Kurse besucht, aber immer mit Dritte wie Dolmetscher oder von Hörenden die nicht so den Blickwinkel tauber Menschen haben. Diesmal war es top! Direkt und klar. Sowas sollte mehr genutzt werden. Es war definitiv besser als bei Hörenden. Wir hatten auch Spaß gehabt. Insgesamt schön war es! .-)“

Im nächsten Jahr möchte der Sportverein einen Vortrag organisieren, den Stefanie Schmidt auch leiten wird. Es geht um eine spezielle App (Smartphone), namens „Rot Kreuz Defi und Notruf“. Mit dieser App kann der oder die Erst-Helfer/-in oder Verletzte, einen Notruf absetzen. In diesem Vortrag möchte Stefanie Schmidt zeigen, wie es funktioniert und es wird auch wirklich ein Rettungswagen kommen, damit die Gehörlosen das Gefühl bekommen können, dass diese App auch wirklich funktioniert. Der 2. Vorsitzende Andre Danke und die Dozentin Stefanie hatten die App in der Kurs-Pause getestet, mit Hilfe der NWZ-Reporter E. Freese. Herr Freese hatte im Vorfeld die Einsatzzentrale informiert. Es ist wirklich ein Notruf an die Zentrale in Oldenburg erfolgt. Ohne diese Vorankündigung wäre ein Krankenwagen wirklich gekommen. Dieser Test funktionierte also.