Nordwest-Zeitung berichtet über Erste-Hilfe-Kurs

ERSTE-HILFE-KURS FÜR GEHÖRLOSE Erst die App macht Notruf möglich

Eilert Freese

Praxiseinheit nach der Theorie: Beim Erste-Hilfe-Kurs für Gehörlose zeigten (von links) Pascal Kleimeyer und Stefanie Schmidt den Vereinsmitgliedern um André Danke, wie man im Notfall richtig reagiert.

Wenn Gehörlose einen Notruf absetzen wollen, gibt es einige Hürden zu überwinden. Eine neue App soll dabei helfen. Wir waren beim Kurs „Erste Hilfe für Gehörlose“ dabei.

STADTMITTE Es ist still im Saal, obwohl sich die Menschen angeregt unterhalten: in der Gebärdensprache – und die ist leise. Sie alle nehmen teil am Kurs „Erste Hilfe für Gehörlose“, den der Gehörlosen Sportverein Oldenburg organisiert hat.

Theorie und Praxis

Die Inhalte eines Erste-Hilfe-Kurses für Gehörlose sind natürlich die gleichen wie ein Kurs für Hörende. Da geht es um die stabile Seitenlage, Atemnot, Bauchverletzungen, Elektrounfall, Knochenbrüche, Blutungen und vieles mehr. Stefanie Schmidt aus Leverkusen ist Erste-Hilfe-Ausbilderin mit Schwerpunkt Gehörlose. Unterstützt von ihrem Kollegen Pascal Kleimeyer referiert sie den ganzen Samstag im PFL über die verschiedenen Themen und lässt praktische Übungen durchführen. Sie vermittelt die Botschaft: Wenn man im Notfall an einen Gehörlosen gerät, verspricht die Behandlung Erfolg.

14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Sportverein wollen es wissen: Wie man einen Defibrillator benutzt, wie man ein Dreieckverband anlegt, was zu tun ist bei Atemstillstand und vieles mehr. Morgens gibt es den theoretischen Teil und am Nachmittag üben sich alle in der Praxis.

Hilfe per App

Auch der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, André Danke, nimmt teil. „Es ist sehr wichtig, dass Gehörlose die Erste-Hilfe-Maßnahmen lernen“, so Danke. Stefanie Schmidt ist es besonders wichtig, auf die Notruf-App und ihre Verwendung für Gehörlose hinzuweisen. Die waren bisher für Notrufe immer auf Hilfe von Dritten angewiesen und konnten nicht selber direkt die Polizeioder die Feuerwehr informieren und alarmieren.

Die App ist einfach zu bedienen. Gehörlose tippen zuerst das Icon der Polizei oder Feuerwehr an. Dann können sie durch Antippen weiterer Symbole die Notlage konkret beschreiben und den Anruf auslösen. Die App wählt automatisch die örtlich zuständige Notrufzentrale und gibt Angaben zur Person, zur Standortadresse und zum Notfall weiter. Die Notrufzentralen antworten umgehend. Der gehör-lose App-Nutzer liest den ganzen Dialog wie einen Chat auf seinem Handy-Bildschirm.

Ein Vorteil davon ist die direkte Kommunikation zwischen dem Gehörlosen und der Einsatzzentrale. Der Nutzer erhält auf seine Mitteilung per Notruf-App hin eine direkte Rückmeldung von der Einsatzzentrale, dass der Notruf eingegangen ist und ein Rettungsfahrzeug unterwegs ist. Im Test bei der Leitstelle in Oldenburg konnte zwar kein Rettungswagen „testweise“ geschickt werden, es wurde aber glaubhaft versichert, dass der Notruf per App angekommen sei und im realen Fall schon ein Rettungswagen unterwegs gewesen wäre.

Reden mit den Händen

Wichtig für die Kommunikation ohne technischen Hilfe ist natürlich die Gebärdensprache. Sie ist nicht universal. Jedes Land hat eine eigene Version. Die Sprache besitzt eine eigene Grammatik, wobei der Gebärdenraum – der Raum vor dem Körper des Gebärdenden – eine große Rolle spielt. Manches lässt sich auch für Laien durchaus nachvollziehen: „Das Auto ist kaputt“ heißt in der Gebärdensprache „Auto kaputt“. Man macht die Drehbewegung des Lenkers und zerbricht symbolisch